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Extra Life

Made Flesh

(Tipp des Monats 9/2010)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: Folk; Postrock; RIO / Avant; sonstiges
Label: LOAF
Durchschnittswertung: 12.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Charlie Looker Gesang, Gitarre
Caley Monahon-Ward Violine, Mandoline
Travis Laplante Keyboards, Tenorsaxofon, EWI
Anthony Gedrich Bass
Nick Podgurski Schlagzeug

Gastmusiker

Ian Antonio Percussion
Larkin Grimm Gesang (4)

Tracklist

Disc 1
1. Voluptuous Life 2:03
2. The Ladder 6:31
3. Made Flesh 4:57
4. One of Your Whores 5:05
5. Easter 6:13
6. Black Hoodie 3:24
7. Head Shrinker 4:10
8. The Body is True 11:24
Gesamtlaufzeit43:47


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


Zwei Jahre nach dem Debüt Secular Works erscheint mit Made Flesh ein neues Album der aus Brooklyn stammenden Formation Extra Life. Von der alten Besetzung ist neben Sänger, Gitarrist und Komponist Charlie Looker nur Bassist Anthony Gedrich geblieben; neu dabei sind Caley Monahon-Ward an Violine und Mandoline, Nick Podgurski am Schlagzeug, sowie Travis Laplante an Keyboards, Saxofon und EWI (ein elektronisches Blasinstrument).

Musikalisch bewegt man sich in ähnlichen Gefilden wie auf dem Debüt. Lookers Gesang erweckt auch hier wieder vielfach Assoziationen an mittelalterliche Musik. Dazu scheppert und kracht es meist ordentlich mit verzwirbelten Gitarrenlinien, quietschiger Violine, rumpelndem Bass und polterndem Schlagzeug. Mit drei solcherart lauten und kantigen Stücken fängt es an, dann folgt mit One of Your Whores ein mit sporadischem Schlagwerk und nervenzerfetzend langsam quietschender Violine äußerst karg arrangierter Titel, der viel Raum für Lookers eigenartigen Gesang lässt. Hierbei wird er noch von einer Gastsängerin unterstützt.

Easter ist mein Favorit auf diesem Album, eine apokalyptische Klangmasse aus einzelnen minimalistischen Klangfiguren, die sich unerbittlich in die Gehörgänge einhämmern und einfräsen. Dazu legt sich Charlie Looker mit dem Gesang richtig ins Zeug - und da würde ich mir doch einen Sänger mit mehr Volumen in der Stimme wünschen, das einzige kleine Manko auf dieser CD.

Nach dieser Klangorgie erschrickt man geradezu darüber, dass sich das folgende Black Hoodie ungewohnt sanft und folkig zeigt. Fast bin ich versucht, hier das Wort "schön" zu gebrauchen! Akustik-Gitarre und Mandoline geben hier den Ton an, kleine Einsätze von Violine und Saxofon runden die Musik ab. Dazu sind Looker etwas zurückhaltender, aber immer noch auf seine typische Art, was dem Stück dann letzten Endes einen etwas eigenartigen Charakter verleiht. Head Shrinker zeigt sich musikalisch ähnlich, das Saxofon bringt hier eine leicht jazzige Note rein.

Den Abschluss bildet das lange The Body is True, wo sich das Quintett noch einmal von seiner experimentellen Seite zeigt. Langsam schleppt sich das Stück voran, vom monoton krachenden Bass getrieben und mit seltsam fiependen elektronischen Geräuschen verziert. Dazwischen immer wieder unvermittelt lyrische Passagen und krachige Noise-Ausbrüche.

Bei aller Kantigkeit ist die Musik nie völlig unnahbar, es bleibt doch immer Raum für Melodik - nur sind die Melodien eben reichlich unkonventionell. Extra Life ist mit Made Flesh ein würdiger Nachfolger für ihr Debüt gelungen. Ein starkes Album, sicher einer der Höhepunkte des Jahres 2010! Da bleibt mir nur noch zu sagen: auf nach Würzburg, Jungs!

Anspieltipp(s): The Ladder, Easter
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.7.2010
Letzte Änderung: 1.7.2010
Wertung: 12/15
Nik: Kaufbefehl!

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Man sieht es schon an der Verpackung. Für ihren Zweitling hatten Extra Life mehr Geld zur Verfügung, oder die Band hat mehr in das Album investiert. Der Silberling steckt in einem edlen, in einem gelblichen Grau gehaltenen, dreiteiligen Digipack, auf dessen Innenseite auch alle Texte aufgedruckt sind. Auch die Produktion ist deutlich besser als die des Debüts. "Made Flesh" kommt druckvoll und ausgewogen aus den Boxen. Dabei steht Charlie Lookers Gesang kraftvoller im Mix. Auf "Secular Works" hatte er es mitunter schwer sich gegen seine instrumentalen Widersacher durchzusetzen.

Heutzutage begeistern sich viele Progger für diverse, meist rückwärts gerichtete Progbands, weil sie wie damals klingen, damals in den goldenen Tagen des Prog, als unsere Musik noch wirklich progressiv war. Andere machen diesen Gruppen gerade dies zum Vorwurf. Extra Life klingen garantiert wie keine andere Band zuvor, ganz und gar nicht retro und sind im wahrsten Sinne des Wortes progressiv. Der eine oder andere mag sich gerade daran stören, denn die Musik der Amerikaner ist natürlich keine leichte Kost. Dabei ist das Gebotene doch ziemlich harmonisch, wenn auch aufgrund der vor allem in den Gesangslinien verwendeten (für heutige Ohren) ungewöhnlichen Diatonik, die diesen mittelalterlichen Eindruck erweckt, ungewohnt und fast schräg.

Wie schon "Secular Works" bietet "Made Flesh" ein beeindruckendes Gemenge an kantigem Gerocke und entrücktem Gesang, welches getrost als einzigartig bezeichnen kann. Die Besetzung der Band hat sich etwas verändert, der Klang ist etwas runder geworden, die Produktion ist um einiges besser und elektronische Sounds spielen eine etwas größere Rolle, doch bestimmen immer noch, neben Lookers prägendem Gesang, metallsaitige Instrumente (Gitarren, Bass und Violine - die ab und an auch für flächige Fülltöne sorgt) das Geschehen, meist druckvoll voran getrieben vom vielseitigen Getrommel Nick Pogurskis. Die Musik ist farbiger geworden, es kommt eine größere Zahl von Instrumenten zum Einsatz, mitunter, wie im grandiosen "Head Shrinker", auch Gastsänger und Blasinstrumente. Es Kracht bisweilen recht heftig, doch verströmt das Gebotene immer eine seltsame, disharmonische Melodik aus.

Auch wenn es erst August ist, so denke auch ich, dass "Made Flesh" einen der Höhepunkte des Jahres 2010 darstellt. Wer wirklich progressive, zeitgenössische Rockmusik vom Ende des ersten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends hören möchte, der sollte hier dringend zugreifen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.8.2010
Letzte Änderung: 19.8.2010
Wertung: 12/15

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Von: Florian Dietmaier @ (Rezension 3 von 3)


Was Extra Life von anderen Bands, neben der außergewöhnlichen Mischung von alter und neuer Musik, abhebt, sind die persönlichen Texte Charlie Lookers. Während die meisten, um nicht zu sagen alle, Progbands sich in weltverbessernde Plattitüden, betont aggressive Floskeln oder lächerlich Metaphysisches flüchten, singt Looker über Alltägliches. Das aber, passend zum, an gregorianische Choräle angelehnten, Gesang, geschickt in scheinbar spirituelle, religiöse Phrasen verklausuliert, sodass Eindeutigkeit in der Interpretation nie erreicht werden kann. Aber versuchen kann ich es zumindest.

Der Großteil der Texte beschäftigt sich mit dem Albumtitel: Made Flesh. Jegliche religiöse Deutung ausschließend, heißt es im Titelstück dazu: „A man’s will made flesh / No longer mist, no longer mystery“ Nicht Gott erschafft das Fleisch, sondern der Mensch. Und dieser ist nicht auf tolerante Egalität, sondern auf angleichende und elitäre Egalität aus: „Pumped up and made plain“. Am deutlichsten kommt das in The Body is True zum Ausdruck. Looker quält seinen „10,957“ Tage alten Körper im Fitnessstudio und stellt fest, dass sich „14 more hairs“ in seinem Kamm befinden. Der einzige Ausweg aus dem Streben nach Perfektion? Leben im Moment: „Share with me the doomed flesh I made“.

Head Shrinker und Black Hoodie weichen etwas vom Rest ab. Letzteres wohl deshalb, weil es schon älter ist und schon auf der ersten EP der Band zu hören war. Head Shrinker vielleicht deshalb, weil es einen psychoanalytischen Rahmen für das ganze Album schafft. Ich habe zumindest noch nie eine so kurze und brillante Zusammenfassung der Psychoanalyse gehört, wie Looker sie für Head Shrinker verfasst hat: „Your woes, they shine like tiny gemstones / What an exquisite collection / Shall I tell you whether they’re real or not / before I cut them to perfection?“ Sind alle Texte über das „Made Flesh“ nur Ausdruck des Gefangenseins Lookers in seinem eigenen Kopf?

Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass Extra Life mit Made Flesh eine der ausgereiftesten Platten des Jahres vorgelegt haben, auf der sowohl Musik, wie auch die Texte fordern und begeistern. Kaufen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.8.2010
Letzte Änderung: 19.8.2010
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Extra Life

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2008 Secular Works 12.33 3
2011 Ripped Heart EP - 1

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